07.05.
2017

Neurodermitis durch Seifenreinigung

Bei Kin­dern kann eine Neu­ro­der­mi­tis durch die Rei­ni­gung mit Sei­fen oder Syn­dets her­vor­ge­ru­fen wer­den. Diese Krank­heit, auch endo­ge­nes Ekzem oder ato­pi­sche Der­ma­ti­tis genannt, ist in der erwach­se­nen Bevöl­ke­rung mit 3 % Betrof­fe­nen die häu­figste ent­zünd­li­che Haut­erkrankung. Bis Mitte des 20. Jahr­hun­derts trat sie mit der­sel­ben Häu­fig­keit bei Kin­dern auf. Danach nahm die Kinder-​Neurodermitis stark zu, und sie liegt heute beim vier- bis fünf­fa­chen. Wie kam es dazu?

Die Neu­ro­der­mi­tis ist eine Erkran­kung der Haut­bar­riere. Die liegt in der oberfläch­lichen Horn­schicht und dich­tet die Haut und den Kör­per nach außen ab. Sie besteht aus spe­zi­el­len Fet­ten, die von den Haut­zel­len gebil­det wer­den. Künst­lich kann man die nicht her­stel­len. Und selbst wenn sie ver­füg­bar wären, könnte man sie nicht in dem kunst­vol­len Netz­werk anord­nen, wie die Natur dies tut. Eine zer­störte Bar­riere kann nur die Haut selbst repa­rie­ren, und das braucht Zeit: für die ganze Barriere­schicht zwei Wochen.

Bei der Neu­ro­der­mi­tis ist die Fähig­keit der Haut zur Bil­dung einer funk­ti­ons­fä­hi­gen Bar­riere ein­ge­schränkt. Dadurch kön­nen Mikro­or­ga­nis­men und Schad­stoffe in die Haut ein­drin­gen. Abwehr­re­ak­tio­nen der Haut sind als Ent­zün­dung sicht­bar. Die Sym­ptome sind Tro­cken­heits­ge­fühl, Juck­reiz, Krat­z­ef­fekte, Schup­pung und Rötung. Das glei­che pas­siert, wenn eine intakte, voll funktions­fähige Bar­riere von außen ange­grif­fen wird. Dazu kommt es, wenn man zur Rei­ni­gung der Haut fett­lö­sende Mit­tel ein­setzt, die die fili­grane Struk­tur der Bar­riere zer­stö­ren.

Her­kömm­li­che Natur­sei­fen, die aus Natur­fet­ten und Lau­gen her­ge­stellt wer­den, tun das offen­bar weni­ger. Seit man aber vor­wie­gend die bil­li­ge­ren, aggres­si­ver ent­fet­ten­den syn­the­ti­schen Deter­gen­tien (Syn­dets) ein­setzt, hat die Neu­ro­der­mi­tis bei Kin­dern so dras­tisch zuge­nom­men. Woran kann der Ver­brau­cher erken­nen, dass er es mit einem Syn­det zu tun hat? Etwa daran, dass die Kosmetika-​Werbung sie als “mild”, “scho­nend” oder “sei­fen­frei” schön­re­det. Alle Flüs­sigs­ei­fen sind Syn­dets, alles was als “pH-​neutral” bezeich­net oder mit dem Zusatz “pH 5” ver­se­hen wird. Eine beson­ders schlimme Irre­füh­rung ist die Bezeich­nung von Syn­dets als “Baby-​Seife”. Emp­find­li­che Men­schen kön­nen aus dem Tro­cken­heits­ge­fühl nach einer Rei­ni­gung schlie­ßen, dass wich­tige Haut­fette und mit ihnen Feucht­hal­te­fak­to­ren aus­ge­wa­schen wur­den.

Eine Befra­gung von Kin­der­ärz­ten ergab, dass die Neurodermitis-​Symptome bei drei von vier (75 %) Kin­dern ver­schwan­den, wenn sie nicht mehr mit einem Entfettungs-​Reiniger, son­dern mit dem Harnstoff-​Reiniger Vel­a­derm gewa­schen wur­den. Diese Kin­der hat­ten nicht die Krank­heit, weil sie auf Grund einer Erb­an­lage keine funk­ti­ons­fä­hige Bar­riere bil­den konn­ten, son­dern weil ihre intakte Bar­riere durch den Rei­ni­ger beschä­digt wurde. Um diese men­schen­ge­machte Krank­heit von der schick­sal­haf­ten eigent­li­chen Neu­ro­der­mi­tis abzu­gren­zen, haben wir sie “Seifen-​Neurodermitis” genannt.

Eltern, die ihre Kin­der davor bewah­ren möch­ten, soll­ten sie nicht mit etwas Schäu­men­dem in Berüh­rung brin­gen. Sollte man sich nicht der Mühe unter­zie­hen wol­len, den Harnstoff-​Reiniger her­zu­stel­len, dann lie­ber nur rei­nes Was­ser neh­men ohne alle Zusätze und Hilfs­mit­tel!

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